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Volker Pispers: Bis neulich!
Bild vergrößernDer Schnellsprecher vom Niederrhein präsentiert sich farbkräftig kontrastierend in Schwarz-Rot auf der Bühne der Seesener Aula. Das kann politisch gemeint sein -- zumindest in der Grundfarbe, meint aber garantiert keine Koalition. Pispers ermuntert energisch zum politischen Kabarett gegen die Hohlheiten der Wahrheitsbeschöniger: Im "Kleinkunsttempel" erfährt das Publikum eine "Kritik der eigenen Lebensführung, genau wie in der Kirche".
Pispers legt ein dichtes Gerüst aus Dominosteinen: Ein Thema assoziiert das folgende. So kommen Leiharbeitsfirmen ganz in die Nähe der "Caritas". Das Kauder-Welsch der Politiker ist Mantel für das Immer-Gleich-Nichtssagende, mit permanenter Lästerwelle tönt er gegen Westerwelle, gegen Parasiten und Schmarotzer, Steuerhinterzieher, gegen die hohlen Resumés von Mutti Merkel, gegen Mixa und Nonnenmacher, gegen die Nummernkonten in der Schweiz ("Der Name Helvetia kommt von Hehlerei!").
Wenn zwei das Dasselbe tun, so ist es nicht das Gleiche: Leidenschaftlich -- Pispers hat Theologie studiert! -- wendet er sich gegen die "Päderastenschutz-Organisation". Hier wird vertuscht und dort aufgedeckt, wenn es sich nur um eine rote Ampel handelt: "Das ist der Unterschied zwischen protestantischer Ethik und katholischer Moral".
"Der Untergang unserer Demokratie sind die Medien", argumentiert Volker Pispers. Das Angst-Schüren gegen den jeweils einzelnen Sündenbock ist politisches Prinzip. "Der 11. September war ein Gottesgeschenk für die Angstmacher! ... 40000 Tote gibt es jährlich durch Ärztepfusch. Das schafft al-Qaida nicht!" Angst vor dem Aussterben der Deutschen, Angst vor den fehlenden Rentengeldern. Pispers: "Das Ärgste wäre, wenn die Deutschen ausstürben und es wären dann noch Rentengelder übrig!"
Pispers spielt radikal mit den Aussagen von Politik und Medien, lässt Statistiken querrechnen (auch das ist Domino). Ist er nun Kabarettist oder politischer Demagoge im positiven Sinn? Jedenfalls ist sein Vortrag eine genaue Gratwanderung zwischen kabarettistischer Fiktion -- dem "Was-wäre-wenn?" -- und gesellschaftlicher Realität. Der Wortwitz ist geschliffen, aber Pispers meint es ernst. Nach der Veranstaltung diskutiert er im Foyer der Aula mit einzelnen Zuschauern weiter.
Das Programm des Kabarettisten ist lang, weil prall gefüllt, ohne Leerstellen. Die letzte halbe Stunde ist quasi Zugabe. Sein abschließendes Lob für das Seesener Kulturforum und dessen Programm zielt noch einmal in ein Plädoyer für das politische Kabarett. Volker Pispers wird sicherlich wieder nach Seesen kommen, auch dann wird die Aula ausverkauft sein. Also: "Bis bald!"
Joachim Frassl




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Online: 29.8.10 23:32 • Newsgebiet: Musik, Kultur & Co. • Alle Meldungen • Kommentare (0)
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